Die Geschichte
der Fotografie

1826 nahm Joseph Nicéphore Niépce das erste Foto auf. Er und Louis Daguerre entwickelten die ersten chemischen Verfahren, die es ermöglichen, Bilder auch langfristig festzuhalten.

Alte Kamera

Von der Camera obscura bis zur Digitalkamera 

Technik und Kunst - eine Hassliebe. Einzigartige Fotos sind fast immer das Ergebnis von technischem Können und genialem schöpferischem Einfühlungsvermögen.

Doch wie ist die Fotografie zu dem geworden, was sie heute ist? Wie hat der technische Fortschritt die Kunst beeinflusst? Was veränderte die Farbfotografie?

Marc Jordi Fischer

Autor: Marc Jordi Fischer

Aktualisiert: 9.6.2021

Lesezeit: 5 min

Der Anfang

 Wann wurde Fotografie erfunden?

Genau genommen wurde die Fotografie nicht innerhalb weniger Jahre Anfang des 17 Jahrhunderts “erfunden". Ihre Entwicklung war ein sehr langer Prozess, der bis ins 4. Jahrhundert vor Christus zurückreicht.

Man vermutet, dass damals Aristoteles an der "Camera obscura", dem Prototypen einer Kamera tüftelte.

Diese - übersetzt dunkle Kammer - war ein abgedunkelter Raum mit einem kleinen Loch in der Wand. Das dadurch einfallende Licht sorgte für eine (vertikal & horizontal gespiegelte) Projektion der Außenwelt auf die gegenüberliegende Wand.

Die ersten Zeichnungen der Camera obscura fand man in Leonardo da Vincis Unterlagen. Er verglich sie mit dem menschlichen Auge.

So konnte sie u. a. von Johann Zahn im 17. Jahrhundert zu einer transportablen Kiste weiterentwickelt werden.

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 Die erste Fotografie der Welt

Joseph Nicéphore Niepce versuchte vergeblich die Bilder der Camera obscura festzuhalten, ohne dass sie kurz nach der Aufnahme verblassten.

Dazu nutzte er lichtempfindliche Schichten wie Silbersalz- oder Chlorsilberpapier. Dieses wird schwarz, sobald es mit Licht in Kontakt kommt.

1826 gelang es ihm endlich, das erste haltbare Bild aufzunehmen. Es zeigt die Aussicht aus seinem Arbeitszimmer in Le Gras im Osten Frankreichs und ist auch heute noch vollständig erhalten.

Da es aber dennoch sehr empfindlich ist, wird es sicher in einer mit Argongas gefüllten Box gelagert.

Fast 9 Stunden hatte er für die Aufnahme eine mit Asphalt bestrichene Metallplatte belichtet. Das ist in der heutigen Zeit wirklich undenkbar!

Anschließend entfernte er die Teile, die noch nicht durch die Einwirkung des Sonnenlichts gehärtet waren, mit Lavendelöl und Terpentin. So fixierte er das Bild, damit es endlich nicht mehr verblasste.

Hier siehst du sein Ergebnis. Erkennst du die Umrisse der Dächer?

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Joseph Nicéphore Niépce, View from the Window at Le Gras, Joseph Nicéphore Niépce, uncompressed UMN source, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

 Laaaaange Belichtungszeiten:
Ein großes Problem

Stundenlange Belichtungszeiten machen es unmöglich, Menschen und ihre Bewegungen zu fotografieren.

Mithilfe des Theatermalers Louis Daguerre, der von seinem Konzept begeistert war, versuchte Niepce Möglichkeiten zu finden, um die Belichtungszeiten zu verkürzen - also die Lichtempfindlichkeit der Schicht zu erhöhen.

Allerdings verstarb er vier Jahre später und so verbesserte Daguerre das Verfahren alleine, bis er es 1839 in Paris vorstellte. Er benannte es nach sich selbst: “Daguerréotypie”.

Jetzt war nur noch eine Belichtungszeit von ca. 15 min notwendig und diese konnte sogar mithilfe eines analytisch berechneten Objektivs auf 45 Sekunden verkürzt werden.

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Kerid Krater | Marc Jordi Fischer
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Die zügige
Weiterentwicklung

 Rollfilme

Leon Warnecke erfand schon 1875 den ersten Rollfilm. Am Anfang funktionierte sein Film auf Kollodium-Basis und später anhand des trockenen Gelatineverfahrens.

Das Highlight war es, dass die Filme nun auch vor dem Belichten lagerfähig waren. Das eröffnet nun ganz neue logistische Möglichkeiten.

Von der Idee begeistert, auf dieser Art mehrere Bilder hintereinander aufnehmen zu können, ohne schwere Platten zu wechseln, kommerzialisierte der Unternehmer George Eastman 1889 daraufhin den Rollfilm unter der Marke Kodak.

Sein Ziel war es, das Fotografieren soweit zu vereinfachen, dass man für eine Aufnahme nur noch einen einzigen Knopf drücken musste.

Dazu bot er seinen Kunden auch einen Entwicklungsservice an. Verständlich also, dass sein Produkt in Zeiten der Jahrhundertwende schnell den Markt dominierte.

„You press the button, we do the rest."

Typisch amerikanischer Slogan von Kodak

Die erste Kleinbildkamera

Neben Entwicklungen, die den Prozess vereinfachten und qualitativ verbesserten, wurde auch hart daran gearbeitet, handliche Kameras zu konstruieren.

Oskar Barnack lieferte dafür Mitte der 1920er-Jahre den entscheidenden Auslöser:

Er entwickelte eine sehr kompakte Sucherkamera mit einem 50mm Objektiv, die Ur-Leica. Nach ganzen 12 Jahren Entwicklungszeit stellte er sie 1925 in Leipzig vor.

Im Vergleich zu den bekannten Kameras der Zeit war sie aufgrund ihres handlichen Formats eine echte Innovation!

In Zeiten der Wirtschaftskrise war es ein sehr großes finanzielles Risiko, eine komplexe Kamera zu produzieren, die aus über 190 Einzelteilen besteht. Aber am Ende entwickelte sich die kleine Leica zu dem Standard, der bis heute unzählige Male kopiert wurde.

Übrigens: Das Format (24×36 mm) wird auch heute noch in Spiegelreflexkameras verwendet und ist das weltweit meist verbreitete Format.

Entstanden ist es ursprünglich aus der Vergrößerung des Stummfilm-Formats.

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 Upper Falls | Marc Jordi Fischer
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Farbfotografie

 Jetzt wird’s bunt!

Bis 1861 war die Welt Schwarz-weiß! In diesem Jahr gelang es nämlich dem schottischen Mathematiker James Clark Maxwell, die erste Farbfotografie aufzunehmen.

Sie war wirklich alles andere als perfekt, aber immerhin das erste Bild, das keine manuell gefärbte S/W Aufnahme war.

Wirtschaftlich und somit für die breite Masse verfügbar wurde die Farbfotografie aber erst mit dem Autochromverfahren in den 50er-Jahren. Ab den 70er-Jahren war sie dann absolut nicht mehr wegzudenken.

Mit Azo-Farbstoffverbindungen versehene Substanzen (Farbkuppler) ermöglichen es, die drei Grundfarben Rot, Blau und Grün nach der subtraktiven Farbmischung zu generieren. Dies gelingt durch eine Reaktion der Farbkuppler mit dem Filmentwickler.

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The Cluanie | Marc Jordi Fischer
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Die Bedeutung der Farbe in der Fotografie 

Viel interessanter ist aber, was Farben in die Bild­ge­stal­tung für eine Rolle spielen und welche Gestaltungsmöglichkeiten sie dem Fotografen aus künstlerischer sicht geben:

Meiner Meinung nach sollten Farben sehr bewusst eingesetzt werden, um den Bildern mehr Ausdruckskraft zu verleihen.

Sollte also der Fokus eines Bildes eher auf geometrische Formen liegen, kommt es oft vor, dass Farben zu sehr davon ablenken und sogar kontraproduktiv für die Wirkung des Bildes sein können.

Richtig eingesetzt, kann die Wirkung eines Bildes aber enorm von ihr profitieren.

Eine Möglichkeit ist es beispielsweise die Anzahl der Farben zu reduzieren und sich nur auf wenige Farbtöne zu konzentrieren. Diese sollten aber bewusst verwendet werden.

So einen Ansatz verfolgte ich bei meiner Fotoserie “Grün”. Hier kannst du mehr darüber erfahren.

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Fotoserie “Grün" | Marc Jordi Fischer

Digitale Fotografie

 CCD- Sensoren

Ganze 0,01 Megapixel (100x100 Pixel) hatte der erste kommerzielle CCD-Sensor. Er wurde 1973 von Fairchild Imaging vorgestellt.

Zehn Jahre später erschienen die ersten Vorgänger digitaler Kameras: Die sog. Still-Video Kameras.

Diese kann man als eine “Mischung” von analog und digital sehen. Das Bild wird hier elektronisch mithilfe eines CCD-Sensors aufgenommen, aber danach auf einer genormten 2-Zoll-Magnetspeicherscheibe analog gespeichert.

Erst das Format JPEG, das wir auch heute noch alle verwenden, revolutionierte den Markt. Nun werden die Daten wirklich digital und nicht magnetisch abgespeichert. So können sie problemlos am Computer eingelesen werden. 

Die Abkürzung JPEG steht übrigens für die Erfinder: Joint Photografic Expert Group.

Mit dem technischen Fortschritt wurde die Bildauflösung und Aufnahmequalität kontinuierlich gesteigert. 2004 galten bereits fünf Megapixel als Standard.

Professionelles Equipment lieferte sogar Auflösungen von bis zu 39 Megapixel. So sind nun auch größere Drucke von digitalen Bildern möglich.

Im Privatgebrauch haben sich Digitalkameras auch ab den 2000er-Jahren immer weiter durchgesetzt. 2003 wurden übrigens zum ersten Mal insgesamt mehr Digitalkameras als analoge Kameras verkauft.

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 Blaulicht | Marc Jordi Fischer
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Die Geschichte der Fotografie als Zeitstrahl

4. Jh. v. Chr.

Aristoteles tüftelt am optischen Prinzip der Camera obscura.

1000 - 1500

Die Camera obscura wird verbessert, aber alle Bilder verblassen noch. 

1826

Joseph Nicéphore Niépce nimmt das erste Foto der Welt auf.

1889

George Eastman kommerzialisiert den Rollfilm unter der Marke Kodak.

1925

Leica entwickelt die erste Kleinbildkamera mit einem 35mm Film.

1950

Die Farbfotografie wird für die breite Masse verfügbar.

1973

Der erste kommerzielle CCD-Sensor wird vorgestellt.

2003

Es werden erstmals mehr digitale als analoge Kameras verkauft.

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 Karlskirche | Marc Jordi Fischer
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Blätter

Kirkjufell I

Abstrakte Kunstfotografie

Zone F570

22S

Condensation

18.2S

Lealt Falls

Quellen:

http://www.uni-kiel.de/anorg/lagaly/group/klausSchiver/Wedgwood.pdf
https://www.planet-wissen.de/kultur/medien/geschichte_der_fotografie/index.html
https://www.ifolor.at/inspirationen/geschichte-fotografie-teil1
https://photobibliothek.ch/seite005b.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_und_Entwicklung_der_Fotografie#
https://at.lumas.com/geschichte-fotografie/
https://www.foto-museum-uhingen.de/geschichte-der-fotografie/
https://de.wikipedia.org/wiki/Camera_obscura
https://de.wikipedia.org/wiki/Still-Video-Kamera

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